23.10.2008

Poetischer Protest

Von Simona Isler um 15:13 [ Aus der Leserschaft ]
Unmut kann auch auf sehr poetische Art und Weise Kund getan werden. Zum Beispiel hat ein Leser für den «Bund» folgendes Gedicht verfasst:

Ganz nah der Stadt wohnt Viktor Stern

Der kleidet sich sehr gern modern
Doch findet er die neue Zeit
Nicht immer gut, es geh’ zu weit,

wenn stets man neue Center baue
und nicht mehr zu dem Alten schaue.
Der neue «Tempel» in Bern west
Wird hoch gelobt als Einkaufsfest.

Man finde alles was man braucht,
Fitness sogar, ein Schwimmbad auch.
Vom Hosenknopf zum Holzerbeil,
auch Töffs und Velos sind dort feil!

Das Volk eilt hin in grossen Massen
Und schlemmt und kauft und füllt die Kassen.
Die Altstadt-Läden bleiben leer,
wo nehmen die die Kunden her?

Die Läden Berns unter den Lauben,
das wär’ vor kurzem kaum zu glauben,
die machen die Geschäfte dicht.
Doch Bern verliert so sein Gesicht!



19.10.2008

Wo ist das Geld hin?

Von Simona Isler um 07:20 [ Aus der Leserschaft ]
Auch hierzulande haben Bund und Nationalbank der krisengeschüttelten UBS unter die Arme gegriffen: Mit einer Finanzspritze von 68 Milliarden Franken. Diese Nachricht erschütterte nicht nur den Gewerkschaftsbund (im Bild bei einer Protestaktion vor der UBS in Bern).



Auch die Leserbriefspalte des «Bund» füllte sich augenblicklich mit Wortmeldungen aus der Bevölkerung. Das Bund-Blog ermöglicht allen Empörten, Ernüchterten, Enttäuschten aber selbstverständlich auch den Zuversichtlichen und Unerschütterten an dieser Stelle die Diskussion weiterzuführen.

Bereits geäussert hat sich Peter Willen aus Herzogenbuchsee:

«Wenn es um Verbesserungen bei den Sozialversicherungen (IV, AHV,
Krankenkasse, AL) oder bei der Sozialhilfe geht heisst es immer: Viel zu teuer, das können wir uns nicht leisten, kein Geld! Und nun zaubert der Bundesrat plötzlich einfach so 68 Milliarden Franken hervor, damit unsere Grossbanken damit weiterwursteln und weiterhin Abzockerlöhne und –boni ausrichten können.

Das darf doch nicht sein: Wer überflüssiges Geld auf der Bank hat, wird belohnt, und wer kein dickes Konto hat oder sogar unter dem Existenzminimum leben muss wird mit Steuern zur Finanzierung der Abzockerei zur Kasse gebeten!»

25.9.2008

Beste Leserbriefe

Von Benedikt Sartorius um 11:11 [ Aus der Leserschaft ]
In der heutigen Ausgabe des «Bund» ruft das Kulturministerium in einem Leserbrief zu einem Wettbewerb auf. Gesucht wird, genau, der beste Leserbrief.

Auf meinem Pult finden sich da ein, zwei Beispiele, die ich dem amtierenden Kulturminister Dominik Riedo, sofern er denn mitliest, nicht vorenthalten möchte. Ein beispielhafter Leserbrief ist in Esperanto und in Deutsch abgefasst. Der Text mit dem Titel «La Malsanulo estas nia klimato» lautet in der glücklicherweise mitgelieferten deutschen Übersetzung wie folgt: «Wer ist der Chef? Drei Vögel sind vom Himmel gekommen und gaben mir 3 Federn. Ich habe das Geschenk des Himmel angenommen und brachte die Feder auf mein Hut an. Nun bin ich ein himmlischer General. Drei-Feder-General. Wird das Schweizer Parlament und seine Regierung die Ernennung durch die Vögel bestätigen?»

Und so fort. Weiter ins Rennen schicke ich einen kurzen Brief mit folgendem Inhalt: «Ein kleiner IQ-Test. Unsere Jugend wird zunehmend: materialistisch, ich-bezogen, rechtspolitisch, tolerant. Bitte streichen Sie das Wort, welches nicht in die Gruppe passt!»

Der Preis fördert übrigens «die aktive kulturelle, gesellschaftliche Partizipation sowie literarisches und rhetorisches Handwerk.» Den Teilnehmenden viel Erfolg!

18.8.2008

«The federal government small»

Von Manuel Gnos um 16:50 [ Aus der Leserschaft ]
Aus unserer Leserschaft bekamen wir dieser Tage folgenden Hinweis:

«Gestern war auf Google der ganze Text mit Foto zu sehen. Unter dem Text stand 'English Translation', was ich aufmachte. Und da war eine sehr schlechte, unbrauchbare englische Version drauf.»

Wir brauchten einen Moment, bis wir herausgefunden haben, worauf in dieser Anfrage Bezug genommen wird – weil der Fragesteller uns bezichtigte, für diese groteske Übersetzung verantwortlich zu sein. Bis uns dann ein Licht aufging: Google.com bietet automatische Übersetzungen an, die dann im Originallayout erscheinen. Die eBund-Front sieht darin dann etwa folgendermassen aus:

Übersetzung der eBund-Frontseite. (Screenshot eBund)

Besonders hübsch finden wir «The federal government small» für «Der kleine Bund»...

15.7.2008

«Bund»-Leser sind gaga

Von Manuel Gnos um 16:05 [ Aus der Leserschaft ]
Heute flatterte anonym ein Schreiben in den Briefkasten der Redaktion. Darin wird uns verständlich gemacht, dass wir hier alle «rote Gagas» sind, die für alle anderen Gagas schreiben. Das Fazit des Schreibers (wetten, dass es ein Mann ist?): «Menschen, die an Demenz erkrankt sind, lesen den 'Bund'.»

Von Gagas für Gagas. (Bild Manuel Gnos)

Wir möchten Ihnen hier versichern, dass wir unsere LeserInnen nicht als Gagas sehen. Ob diese Bezeichnung hingegen für die RedaktorInnen zutrifft, überlassen wir deshalb gerne Ihrem Urteil.

07.9.2007

«Selbstzensur»

Von Filip Haag um 06:00 [ Aus der Leserschaft ]
Hier ein Leserbrief zum Thema «Kulturagenda mit ’Anzeiger’», «Bund» vom 1. September

Am 12. September wird die «Berner Kulturagenda» erstmals als Beilage des «Anzeigers Region Bern» erscheinen. Die Auflagen des Amts für Gemeinden und Raumordnung lauten: «In sämtlichen Text- und Bildbeiträgen sind politische Inhalte verboten, weshalb auf Gastkolumnen, persönliche Kommentare und Editorials zu verzichten ist.»

Wie kommen die Medien dazu, die freie Kulturberichterstattung aus der Hand zu geben? Warum sind sie damit einverstanden, die Kulturvermittlung in ein amtliches Publikationsorgan zu verbannen, wo ihnen die Meinungsfreiheit verboten wird? Die Auflagen der Behörden sind gesetzlich vorgegeben: Kultur soll sich damit begnügen, zu unterhalten. Wer steckt hinter der Selbstzensur der Medien? Welches Menschenbild verbirgt sich hinter einer solchen rücksichtslosen Missachtung des Publikums?

Eine Kulturberichterstattung ohne persönliche und politische Dimension verkommt zum reinen Alibi, zur kulturellen Pseudoinformation von Medien, die vor der neoliberalen Macht kuschen und ohne nennenswerten Widerstand auf die Freiheit von Wort und Bild verzichten.

Zum Glück gibt es für den wachen Zeitgenossen das subkulturelle Magazin «ensuite», in dem Kultur und ihre engagierte Vermittlung noch jenen Platz einnehmen, den sie verdienen.

Peter Fahr, Schriftsteller, Bern