Im «Bund» vom 16. September war auf der
letzten Seite ein Bild von tödlicher Panik zu sehen, das heftige Reaktionen auslöste. Die «Bund»-Redaktion hat sich daraufhin bei ihrer Leserschaft für den Fehler
entschuldigt. Nichts desto trotz möchten wir im Blog die Möglichkeit bieten, die Diskussion weiterzuführen. Auch die
Gesellschaftsseite der heutigen «Bund»-Ausgabe ist der Kontroverse um das Pressebild gewidmet.
Bereits in einem Leserbrief geäussert hat sich Urs Bräm aus Bern:
Schockierend
«Mir ist das Bild zum Artikel über eine Massenpanik in Indonesien negativ aufgefallen. Auch über den Titel lässt sich streiten – schwingt da nicht ein bisschen Schalk mit; «Traum von Fr. 7.50»?).
Auf dem Bild sieht man, fotografiert von der sicheren Seite des Zauns aus, wie die Menschen auf der anderen Seite vermutlich zu Tode gedrückt werden. Am Boden liegt eine halb bewusstlose oder sterbende Frau, der schon das Blut über das Gesicht rinnt. Wir sehen ihr und den Menschen in Todesangst über ihr direkt und hautnah ins Gesicht.
Ich finde das Bild schockierend und voyeuristisch. Braucht es solche Bilder in einer Tageszeitung wirklich? Nur, damit wir uns freuen können, dass wir auf dieser und nicht auf jener Seite vom Zaun sind? Mich würde interessieren, welche Leitlinien in solchen Fragen verfolgt werden.»
Es gibt Tage da fällt das Zeitungsmachen schwer. Zum Beispiel wenn kein geeigneter Stoff für die
Frontseite in Sicht ist und auch bis zur zweiten Planungssitzung um 17.00 auf der ganzen Welt nichts Frontwürdiges passieren will.

An anderen Tagen ist das Gegenteil der Fall:
Zu viele Themen reissen sich um eine prominente Platzierung auf der «Bund»-Front und die Zeitungsmacherinnen und -macher müssen schwerwiegende Entscheidungen zu Gunsten der einen oder der anderen Schlagzeile treffen.
Gestern war dies der Fall:
Lohnkluft oder Mietstreit? Oder gar die Skandal-Geschichte zum FC Thun? Wie Sie sicher bereits bemerkt haben, hat sich der «Bund» für den Artikel zu den Löhnen in der Schweiz als Aufhänger entschieden. Sind Sie mit dieser Gewichtung einverstanden oder hätten Sie lieber mehr zum Durchbruch im Mietrecht auf der Front gelesen?

Gestern sprach
Bundesrat Moritz Leuenberger am 24. Gemeindepräsidentenanlass, zu dem der «Bund» und die BKW eingeladen hatten, zum Thema «Service public».
Die Grundsatzrede mit dem Titel
«Was Gotthelf und das Gurnigelbad mit der Grundversorgung zu tun haben» ist
im heutigen «Bund» in leicht gekürzter Version abgedruckt.
Uns interessiert,
wie diese Art der Berichterstattung bei Ihnen ankommt? Haben Sie die Rede mit Interesse gelesen? Oder hätten Sie eine herkömmliche Darstellung der Veranstaltung bevorzugt?
In der heutigen 11.00-Uhr-Sitzung, die jeweils der Blattkritik der aktuellen und der Planung der kommenden «Bund»-Ausgabe gewidmet ist, war die «Bund»-Redaktion zufrieden mit sich selbst.
Die Wahlausgabe mit insegsamt zwölf Seiten Wahlberichterstattung sei gut gelungen, fanden wir. So ein Wahlwochenende bringt nämlich jeweils nicht unproblematische logistische Schwierigkeiten (wie zum Beispiel erst spät vorliegende Resultate) mit sich.
Was fanden Sie? Wie hat der «Bund» die Wahlen 2007 gemeistert?
Der «Weltwoche»-Autor Kurt W. Zimmermann schrieb am 17. November 2005: «Den normalen Leuten ist es also egal, ob es zwei Zeitungen gibt oder nur eine.» Einzig JournalistInnen und PolitikerInnen seien daran interessiert – erstere, um Konkurrenzbeobachtung betreiben zu können, letztere aus einer Selbstverliebtheit heraus.
Wir beim «Bund» sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Stadt Bern zwei Tageszeitungen braucht. Weshalb, das zeigen – zum Beispiel – die unterschiedlichen Frontseiten der heutigen Ausgaben von
«Berner Zeitung» und
«Bund»:
Oder liegen wir mit dieser Ansicht vollkommen daneben? Was haben Sie für eine Meinung zu diesem Thema?

Medien berichten über alles, ausser über sich selbst. Trotzdem
beschäftigt sich jedes Medium täglich mit sich selbst, wägt ab, was die Leserinnen und Leser am meisten interessiert, welche Information die wichtigste ist, in welcher Form eine Information aufbereitet wird und auf welche Themen verzichtet werden kann.
Am Tag darauf wird bei einer Zeitung in einer sogenannten
Blattkritik die eigene Arbeit kritisch hinterfragt, mit anderen Medien verglichen und auch aufgrund der Leserreaktionen beurteilt. Dieses Blog soll künftig eine Möglichkeit sein, diese tägliche
Qualitätsdiskussion für die Leserinnen und Leser zu öffnen.
Ein Thema in der heutigen Blattkritik war das
Interview mit Urs Birchler, dem Direktionspräsidenten des Inselspitals. Anlass zu diesem Interview gab der umstrittene Qualitätsvergleich von Comparis. Das Interview wurde gelobt, es sei allerdings etwas zu lange ausgefallen, was wohl dazu führe, dass die Leserinnen und Leser aus dem Text aussteigen.
Wie sehen Sie das: Sind Texte dieses Umfangs zu lang? Und haben Sie andere Rückmeldungen zur heutigen Ausgabe des «Bund»?