20.9.2008

Voyeuristische Bilder

Von Simona Isler um 03:39 [ Blattkritik ]
Im «Bund» vom 16. September war auf der letzten Seite ein Bild von tödlicher Panik zu sehen, das heftige Reaktionen auslöste. Die «Bund»-Redaktion hat sich daraufhin bei ihrer Leserschaft für den Fehler entschuldigt. Nichts desto trotz möchten wir im Blog die Möglichkeit bieten, die Diskussion weiterzuführen. Auch die Gesellschaftsseite der heutigen «Bund»-Ausgabe ist der Kontroverse um das Pressebild gewidmet.

Bereits in einem Leserbrief geäussert hat sich Urs Bräm aus Bern:

Schockierend

«Mir ist das Bild zum Artikel über eine Massenpanik in Indonesien negativ aufgefallen. Auch über den Titel lässt sich streiten – schwingt da nicht ein bisschen Schalk mit; «Traum von Fr. 7.50»?).

Auf dem Bild sieht man, fotografiert von der sicheren Seite des Zauns aus, wie die Menschen auf der anderen Seite vermutlich zu Tode gedrückt werden. Am Boden liegt eine halb bewusstlose oder sterbende Frau, der schon das Blut über das Gesicht rinnt. Wir sehen ihr und den Menschen in Todesangst über ihr direkt und hautnah ins Gesicht.

Ich finde das Bild schockierend und voyeuristisch. Braucht es solche Bilder in einer Tageszeitung wirklich? Nur, damit wir uns freuen können, dass wir auf dieser und nicht auf jener Seite vom Zaun sind? Mich würde interessieren, welche Leitlinien in solchen Fragen verfolgt werden.»

14.11.2007

Mehrere Frontseiten oder gar keine

Von Simona Isler um 12:15 [ Blattkritik ]
Es gibt Tage da fällt das Zeitungsmachen schwer. Zum Beispiel wenn kein geeigneter Stoff für die Frontseite in Sicht ist und auch bis zur zweiten Planungssitzung um 17.00 auf der ganzen Welt nichts Frontwürdiges passieren will.

An anderen Tagen ist das Gegenteil der Fall: Zu viele Themen reissen sich um eine prominente Platzierung auf der «Bund»-Front und die Zeitungsmacherinnen und -macher müssen schwerwiegende Entscheidungen zu Gunsten der einen oder der anderen Schlagzeile treffen.

Gestern war dies der Fall: Lohnkluft oder Mietstreit? Oder gar die Skandal-Geschichte zum FC Thun? Wie Sie sicher bereits bemerkt haben, hat sich der «Bund» für den Artikel zu den Löhnen in der Schweiz als Aufhänger entschieden. Sind Sie mit dieser Gewichtung einverstanden oder hätten Sie lieber mehr zum Durchbruch im Mietrecht auf der Front gelesen?

02.11.2007

Moritz Leuenberger im «Bund»

Von Simona Isler um 14:32 [ Blattkritik ]
Gestern sprach Bundesrat Moritz Leuenberger am 24. Gemeindepräsidentenanlass, zu dem der «Bund» und die BKW eingeladen hatten, zum Thema «Service public».


Die Grundsatzrede mit dem Titel «Was Gotthelf und das Gurnigelbad mit der Grundversorgung zu tun haben» ist im heutigen «Bund» in leicht gekürzter Version abgedruckt.


Uns interessiert, wie diese Art der Berichterstattung bei Ihnen ankommt? Haben Sie die Rede mit Interesse gelesen? Oder hätten Sie eine herkömmliche Darstellung der Veranstaltung bevorzugt?

22.10.2007

Eigenlob

Von Simona Isler um 11:59 [ Blattkritik ]
In der heutigen 11.00-Uhr-Sitzung, die jeweils der Blattkritik der aktuellen und der Planung der kommenden «Bund»-Ausgabe gewidmet ist, war die «Bund»-Redaktion zufrieden mit sich selbst.


Die Wahlausgabe mit insegsamt zwölf Seiten Wahlberichterstattung sei gut gelungen, fanden wir. So ein Wahlwochenende bringt nämlich jeweils nicht unproblematische logistische Schwierigkeiten (wie zum Beispiel erst spät vorliegende Resultate) mit sich.

Was fanden Sie? Wie hat der «Bund» die Wahlen 2007 gemeistert?

11.9.2007

Braucht es zwei Tageszeitungen?

Von Manuel Gnos um 11:33 [ Blattkritik ]
Der «Weltwoche»-Autor Kurt W. Zimmermann schrieb am 17. November 2005: «Den normalen Leuten ist es also egal, ob es zwei Zeitungen gibt oder nur eine.» Einzig JournalistInnen und PolitikerInnen seien daran interessiert – erstere, um Konkurrenzbeobachtung betreiben zu können, letztere aus einer Selbstverliebtheit heraus.

Wir beim «Bund» sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Stadt Bern zwei Tageszeitungen braucht. Weshalb, das zeigen – zum Beispiel – die unterschiedlichen Frontseiten der heutigen Ausgaben von «Berner Zeitung» und «Bund»:

Frontseiten von «Berner Zeitung» und «Bund» vom 11. September 2007. (Bild eBund)

Oder liegen wir mit dieser Ansicht vollkommen daneben? Was haben Sie für eine Meinung zu diesem Thema?

30.8.2007

Gutes Interview zu lang?

Von Manuel Gnos um 12:17 [ Blattkritik ]
Interview mit Urs Birchler, Donnerstag, 30. August 2007.Medien berichten über alles, ausser über sich selbst. Trotzdem beschäftigt sich jedes Medium täglich mit sich selbst, wägt ab, was die Leserinnen und Leser am meisten interessiert, welche Information die wichtigste ist, in welcher Form eine Information aufbereitet wird und auf welche Themen verzichtet werden kann.

Am Tag darauf wird bei einer Zeitung in einer sogenannten Blattkritik die eigene Arbeit kritisch hinterfragt, mit anderen Medien verglichen und auch aufgrund der Leserreaktionen beurteilt. Dieses Blog soll künftig eine Möglichkeit sein, diese tägliche Qualitätsdiskussion für die Leserinnen und Leser zu öffnen.

Ein Thema in der heutigen Blattkritik war das Interview mit Urs Birchler, dem Direktionspräsidenten des Inselspitals. Anlass zu diesem Interview gab der umstrittene Qualitätsvergleich von Comparis. Das Interview wurde gelobt, es sei allerdings etwas zu lange ausgefallen, was wohl dazu führe, dass die Leserinnen und Leser aus dem Text aussteigen.

Wie sehen Sie das: Sind Texte dieses Umfangs zu lang? Und haben Sie andere Rückmeldungen zur heutigen Ausgabe des «Bund»?