An sich steht die aktuelle «Klartext»-Ausgabe bereits in der Nachspielzeit, denn Sie ist bereits im Juni erschienen. Doch wie die Türken, landen auch wir noch kurz vor dem Abpfiff einen Treffer und weisen Sie auf
dieses Interview mit Michael Hug und Artur K. Vogel hin. Ersterer ist Co-Chefredaktor unserer Konkurrentin «Berner Zeitung», letzterer dürfte Ihnen allen bekannt sein.
In dem Interview lesen Sie zum Beispiel folgendes:

VOGEL: «Wenn mir jemand sagt, der 'Bund' sei eine Qualitätszeitung und die BZ nicht, dann muss ich ihn darauf hinweisen, dass die BZ eine mehr als doppelt so hohe Auflage hat wie der 'Bund'. Etwas muss die BZ ja besser machen, damit sie diese Zahlen erreicht. Es wäre also extrem überheblich zu sagen, die BZ sei eine Zeitung mit minderer Qualität. Wir haben unterschiedliche Qualitäten – aber ich würde deswegen nicht sagen, die BZ sei keine Qualitätszeitung.»
Oder auch dies:

HUG: «Der 'Bund' hat im Gegensatz zur BZ ein Gedächtnis. Der 'Bund' hat zum Teil Leute, die Themen über Jahre hinweg verfolgen und deshalb aus ihrer Erfahrung schöpfen können. Wir hatten bei uns auf der Redaktion einen Generationenwechsel, deshalb haben wir hier ein Manko. Das ist auch der Grund, weshalb der 'Bund' in der Analyse von Ereignissen manchmal stärker ist.»
Am Freitagmorgen um sieben Uhr geht
die Auktion der «Bund»-Trouvaillen zu Ende. Während der
Lesesessel die 100.-Fr. Grenze passiert hat, sind trotz YB-Meistertraum-Zeiten kaum Gebote für die
«YB-Stars in jungen Jahren» eingegangen.
Die zu ersteigernden Bilder sind echte Trouvaillen. Zu haben sind Dutzende alter Fotos von renommierten Sportfotografen. Sie zeigen
Hakan Yakin, Häbi, Gügi, Fussballgott Erich Hänzi und Chappi in Aktion bei verschiedenen Vereinen. Von Letzterem sind auch Bilder aus seiner Zeit bei Uerdingen und Dortmund in den 90er-Jahren zu haben.
Obendrein gibt es bei dieser Auktion ein Bild der Schweizer Fussballnationalmannschaft aus dem Jahr 1924 zu ersteigern.
Die Erlöse aus der Auktion fliessen in einen guten Zweck.
Die Auktion der «Bund»-Zügel-Trouvaillen dauert an. Eine der zu erstehenden Trouvaillen stammt aus Weissrussland. Die Geschichte hinter diesem Gegenstand:
In Osteuropa wie auch im fernen Osten ist es Brauch, einen Gast zu beschenken. Die Tradition geht aber noch weiter: Auch ein Gast bringt meist eine Aufmerksamkeit mit. Das ist auch unter Journalisten so.
Der langjährige Ausland-Redaktor und jetzige Zuständige für die Seite «Gesellschaft»
Daniel Goldstein hat das auf Auslandreisen schon öfters erfahren dürfen. Die Uhr an seinem Arm stammt aus Taiwan, ein Geschenk. Von diesem Stück mag er sich aber nicht trennen.
Mit schwerem Herzen verabschiedet er sich beim Umzug in die Lorraine von diesem weissrussischen Bauernrelief – weniger aus ästhetischen Gründen denn aus Sentimentalität. Das Bild hing nämlich Jahre über seinem Schreibtisch. Ein Mitbringsel einer weissrussischen Journalistin, die in der «Bund»-Redaktion auf Besuch war.
Während die ersten Zügelkisten nach und nach am Dammweg eintreffen, bereits
11 Angebote für die Schreibmaschine von Walter Däpp eingegangen sind, wartet
eine Dose mit dem laut Werbung beflügelnden Getränk noch auf einen Abnehmer. Wie dem auch sei, die Anekdote zu dieser Trouvaille ist abenteuerlich:
«Nicht schlecht gestaunt haben die Angestellten der Kehrichtsverbrennungsanlage: Fährt da ein Lieferwagen vor und entlädt 800 silberblaue Aludosen, die einen vitaminreichen Durstlöscher enthalten. Das war 1994. Und bei den Dosen handelte es sich um die marktfrische Kultgetränk
Red Bull. Der verblichene Berner Bierladen hatte damals eine Ladung aus Deutschland bestellt – der grossen Nachfrage wegen.
Das Problem: Das Getränk war damals in der Schweiz noch nicht zugelassen. Es galt offiziell als Droge. Was den Run auf die silberblauen Dosen nur noch verstärkte. Die Betreiber des Bierladens versuchten die Koffeinbombe legal zu importieren – erfolglos. In einer aufsehenerregenden Aktion kippten sie die 800 Dosen in den Schlund der Kehrichtverbrennung.
«Bund»-Redaktor Daniel Vonlanthen war damals exklusiv dabei und berichtete in einer amüsanten Reportage über den süssklebrigen Reinfall.»
Dieses Wochenende zieht der «Bund» an den Nordring. In den letzten 13 Jahren am Bubenbergplatz 8 hat sich in den Redaktionsräumen etliches angesammelt. Nun versteigern wir einige
Trouvaillen.
Beim Aufräumen sind Erinnerungstücke zum Vorschein gekommen, hinter denen sich Geschichtchen und auch ein Stück Geschichte dieser Zeitung verstecken.
Dass hier noch seriös gearbeitet werden kann, darob könnte ins Zweifeln geraten, wer in diesen Tagen durch die «Bund»-Redaktion läuft. Es türmen sich Papierstapel in den Gängen, überall stehen rappelvolle Zügelkisten herum, Redaktoren und Redaktorinnen stürmen in andere Büros, ein Fundstück in der Hand, und wollen die Episode loswerden, die sie damit erlebt haben.
Eines der Fundstücke ist
die Schreibmaschine von Walter Däpp. Als der Reporter vor 25 Jahren zum «Bund» kam, erhielt er eine Hermes 3000, die ihn seither begleitet hat. Vor allem die Korrespondenz erledigte Däpp auf der treuen Schreibmaschine.
In der Redaktion existierte schon damals ein elektronisches Satzsystem. Fiel dieses aus – was hin und wieder geschah – tippte er seine Reportagen, für die Däpp schon etliche Auszeichnungen erhalten hat, auf der Hermes. Auch dieses gute Stücke können Sie, liebe Leser, nun ersteigern.
Die Links zur Versteigerung der «Bund»-Trouvaillen auf Ricardo:
http://info.ricardo.ch/Bund_Trouvaillen
Simon Jäggi
Dieses Wochenende zieht die «Bund»-Redaktion nach 13 Jahren vom Bubenbergplatz an den Nordring im Lorraine-Quartier. Der Samstags-«Bund» wird die letzte Ausgabe sein, die am Bubenbergplatz 8 produziert wird.
Die Montags-Ausgabe wird bereits aus dem Nordquartier kommen: Übers Wochenende zieht der «Bund» an den Dammweg 9 ins Multimediahaus der Espace Media Groupe.
Alle Medien, die zum Unternehmen gehören, werden sich in Zukunft unter einem Dach befinden. So zieht etwa auch das Lokalfernsehen Tele Bärn an den Nordring. Nichts ändern wird der Umzug an der redaktionellen Unabhängigkeit des «Bund».
Wie bei jedem grossen Umzug kamen auch beim Packen in der «Bund»-Redaktion lang vergessene Gegenstände zum Vorschein. Was wir mit diesen Trouvaillen machen, lesen Sie morgen Freitag an dieser Stelle oder im «Bund».

Neues von der Trödelfront: Die abgebildete formschöne
Yukapalme begrünt – allerdings im Rücken des Chronisten – die bisherige
eBund- und Korrektoratsloge.
Die Reise an den Dammweg wird die von der Korrektoratsschaft
regelmässig bewässerte Pflanze allerdings nicht mitmachen. So suchen wir
eine Abnehmerin oder einen Abnehmer: Wer die Yuka künftig in seinen Logen hegen und pflegen möchte, melde sich bitte in den Kommentaren.

Die heutige
«Bund»-Trouvaille führt uns zurück ins Jahr 1993. Im Vorfeld der
1. Berner Songtage lancierte die
Feuilletonredaktion eine elfteilige Exklusivserie zum
«Berner Songschaffen» mitsamt einer Diskographie von 1960-1993 ( Meine Lieblingsnamen: Atomic Darmflora, Fun Gögh). Die Serie wurde mit dem nebenstehenden Plakat beworben.
Folge 7 wartete mit einem Bericht von
Brigitta Niederhauser über die beliebte Band
Züri West auf und begann mit folgendem
herzzerreissenden Abschnitt: «Als Radio Förderband letztes Jahr im Wahlkampf Klaus Baumgartner fragte, was er von Züri West halte, lautete des blonden Bären ultimative Antwort:
'Zum Glück haben wir in Bern noch nicht solche Zustände'.»
So waren die Zeiten im
Vor-«I schänke Dir mis Härz»-Zeitalter.
Das Plakat mitsamt einer Kopie dieser Folge 7 können Sie sich nun unter den Nagel reissen. Wer dieses kleine Päckli möchte, melde sich in den Kommentaren. Einen Grund, wieso gerade Sie die Besitzerschaft über dieses kleine Stück Berner- und «Bund»-Kultur übernehmen möchten, müssten Sie allerdings angeben.
Nach den Büchern, die übers Wochende Zuwachs erfuhren, finden sich nun auch schöne, vergessene, obskure und zweifelhafte Tonträger mit Schweizer Musik im «Bund»-Empfang am Bubenbergplatz 8. Wir empfehlen Ihnen, nach den vorhandenen Perlen zu fischen.
Die kleine Gabe von 50 Rappen pro CD spenden wir einer wohltätigen Organisation.