Liebe Leserin, lieber Leser,
Das «Bund»-Blog wird per 31. Juli eingestellt. Wir danken für Ihr Verständnis.
Die «Bund»-Online-Redaktion
Da sich das Weltgeschehen weder nach Zeitungsumfängen noch nach Sendezeiten richtet, stehen Medien jeden Sommer vor der bangen Frage:
Wie überstehen wir die nachrichtenarme Zeit, auch bekannt als Sommerloch oder Saure-Gurken-Zeit? Die radikalste Antwort kennen manche Pendlerzeitungen und Fachmedien. Sie stellen den Betrieb während ein paar Wochen gleich ganz ein und tun damit das, was ihr Publikum auch tut: Sie machen Ferien.
Doch alle anderen, Tageszeitungen, Radio und Fernsehen, müssen weiterhin ihre Seiten und Sendeminuten füllen. Zum Beispiel mit Sommerserien – ein beliebtes Mittel, sich von der Abhängigkeit von aktuellen Ereignissen zu lösen. Die einzelnen Beiträge der Artikelfolge lassen sich zudem praktisch im Voraus realisieren, sodass der Autor zum Zeitpunkt des Erscheinens seine verdienten Ferien geniessen kann.
Wer über die entsprechenden Ressourcen verfügt, was bei den gebührenfinanzierten Programmen der SRG bekanntlich der Fall ist, überbrückt das Sommerloch mit eigenen Inszenierungen. So setzt das Schweizer Fernsehen seit ein paar Jahren auf diese Methode.
Fernab von jedem Aktualitätsbezug schafft die Regionalnachrichtensendung «Schweiz aktuell» ein künstliches Ereignis. In diesem Jahr lässt man den Zweiten Weltkrieg aufleben und schickt dazu ein paar Männer in den Bunker und die Frauen und Kinder in die Anbauschlacht. In früheren Jahren war es das Leben zur Gotthelf- oder Pfahlbauerzeit, das Laiendarsteller im Auftrag des Schweizer Fernsehens nachspielten.
Als sinnvollen Beitrag zur Geschichtsschreibung darf man solche «Living History»-Inszenierungen nicht verstehen. Historiker halten das Réduit-Theater, das am kommenden Montag auf SF anläuft, denn auch für «zynisch» und «absurd» (Jakob Tanner und Jean-François Bergier in der «NZZ am Sonntag»). Es geht hier also im besten Fall um ein Unterhaltungsprogramm im Sommerloch.
Was aber machen Medien, die sich einen solchen Aufwand nicht zu leisten und keine Weltkriegsfestung zu bespielen vermögen? Sie wählen die billigste Sommerloch-Überbrückung. Und die heisst Trittbrettfahren. Aufgrund der vergleichsweise dürren Nachrichtenlage, aber auch mangels eigener Einfälle beschreitet man den vom Fernsehen ausgelegten Teppich und schneidet sich auch eine Tranche der «Alpenfestung» ab.
Noch bevor die Sendung überhaupt ausgestrahlt wurde, haben Medien von A wie «Aargauer Zeitung» bis Z wie «Zürichsee-Zeitung» bereits in weit mehr als hundert Artikeln die Unterhaltungsshow zum Thema gemacht.
Besonderen Eifer entwickelten die Redaktionen im Fall des designierten Bunker-Kommandanten. Sie berichteten ausführlich über den Mann, der sonst vermutlich nur in den Randspalten eines Lokalblatts erwähnt worden wäre, weil er Gelder eines Hornusservereins veruntreut und eine Unterschrift gefälscht haben soll. Aber ist das in dem Mass wirklich von öffentlichem Interesse?
Und: Muss der Mann im Zusammenhang mit seinem Vorleben gleich mit vollem Namen genannt werden, nur weil das Schweizer Fernsehen seine Personalien als Laiendarsteller in spe veröffentlicht hatte? Wenn das nur Ausrutscher auf der sommerlichen Trittbrettfahrt wären, man könnte noch halbwegs darüber hinwegsehen.
Doch leider dauert das Sommerloch auf manchen Redaktionen das ganze Jahr.
[i] Nick Lüthi ist Chefredaktor des Medienmagazins «Klartext».
Sie nennen es «gute Rahmenbedingungen», meinen aber in erster Linie Geld vom Staat. Wenn es darum geht, öffentliche Mittel zu kassieren, hatten Schweizer Zeitungsverleger noch nie Hemmungen. Egal, ob bar auf die Hand oder indirekt durch Vergünstigungen – man nimmt, was kommt. Und murrt dann, wenn der Staat die Spielregeln durchsetzt, die er als Bedingung für die Mittelvergabe aufgestellt hat.
Nun machen sie wieder die hohle Hand: In einem unlängst veröffentlichten «Medienpolitischen Manifest» fordert der Branchenverband der Verleger einen Ausbau der indirekten Presseförderung mittels ermässigter Posttarife sowie eine Befreiung von der Mehrwertsteuer. Davon erhofft sich die Verlagsbranche eine Entlastung um bis zu 600 Millionen Franken pro Jahr. Geld, so meinen die Herren Verleger, das ihnen quasi zustehe, weil der Staat die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren um den entsprechenden Betrag verschlechtert habe.
Angesichts der nach wie vor unabsehbaren Folgen der Wirtschaftskrise scheint diese Forderung durchaus berechtigt. Weshalb sollte der Staat, der mit viel grösseren Beträgen eine Bank als Stütze der Volkswirtschaft am Leben erhält, nicht auch die für eine funktionierende Demokratie unverzichtbaren Medien unterstützen? Zumal kein Franken direkt flösse, sondern die Medienunternehmen lediglich um gewisse Ausgaben entlastet würden.
Um Geld geht es hier aber nur an zweiter Stelle. Im Zentrum steht die Frage nach der Medienordnung in der Schweiz. Mit ihrem Manifest versuchen die Verleger, der Politik zuvorzukommen, die sich intensiver als auch schon mit der Befindlichkeit der Medienbranche befasst. Andreas Gross zum Beispiel, SP-Nationalrat und Medienpolitiker, könnte sich «im gesellschaftlichen Interesse» eine subventionierte Presse durchaus vorstellen. Davon aber wollen die Verleger nichts wissen. Denn ihnen ist klar: Geld vom Staat gibt es nicht ohne Gegenleistung. Selbst «gute Rahmenbedingungen», wie sie sich die Verleger wünschen, sind nicht gratis zu haben. Die Politik sei ja nicht blöd, meinte dazu Verbandspräsident Hanspeter Lebrument vor einem Monat in der «Basler Zeitung»: «Es werden deshalb sicher keine besseren Rahmenbedingungen für die Presse geschaffen, die nicht auch Einschränkungen enthalten.» Es ist also ein Geben und Nehmen zwischen Presse und Politik. Es sei denn, die Verleger machen nicht länger die hohle Hand und besinnen sich wieder auf ihre gesellschaftliche Rolle und Verpflichtung, die sie nur unabhängig von Staat und Politik ausüben können.
Selbst wenn es als Gebot der Stunde erscheinen mag, die ausgezehrten Zeitungen zu unterstützten, sollte sich der Staat zurückhalten mit finanzieller Unterstützung für die privaten Medienhäuser. Nicht anders als bei den Banken würde mit solchen Geldern die verfehlte Geschäftspolitik der letzten Jahre honoriert. Viele der Unternehmen, die nun dutzendfach Personal entlassen, haben lange Zeit sehr gut gelebt. Wenn nun trotz schwacher Konjunktur die Aktionäre und Eigentümer nicht bereit sind, ihre Renditeerwartungen der Realität anzupassen, dann darf sicher nicht der Staat einspringen, um die masslose Geldgier weiter zu befriedigen.
Der «Bund» wird künftig eng mit dem «Tages-Anzeiger» zusammenarbeiten. 19 Stellen werden abgebaut. Dies teilte heute die Tamedia mit.
Im Interview mit dem «Bund» äussert sich Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia zur künftigen Zusammenarbeit von «Bund» und «Tages-Anzeiger».
Das Komitee «Rettet den 'Bund'» kommentiert
an dieser Stelle den Entscheid mit den Worten: «Der neue 'Bund' verdient eine echte Chance».
Gestern fand die Generalversammlung der Tamedia im Zürcher Kongresshaus statt. Neben Mitglieder der «Bund»-Redaktion waren auch VertreterInnen der Berufsverbände Comedia und Impressum sowie der Initiator des «
Rettet den 'Bund'»-Komitees Mark Balsiger präsent.
Einige Impressionen von der Generalversammlung:
Nach dem schönen Erfolg der ersten
«Bund»-Standaktion vom 21. März geht die Unterschriftensammlung am Käfigturm
diesen Samstag, den 4. April, in eine neue Runde.
Wiederum machen zwischen
8.00 und 16.00 Uhr Mitglieder der «Bund»-Redaktion auf die Aktion
«Rettet den Bund» aufmerksam. Interessierte können die Petition zur «Bund»-Rettung unterzeichnen und vor Ort einen Leserbrief verfassen. Jeweils vier Redaktionsmitglieder stehen für Fragen zur Verfügung.

Das Komitee «Rettet den Bund» lanciert zusätzliche Trägerschaft und eine grosse Umfrage unter der Leserschaft.

Von heute an trifft man Züri-West-Sänger Kuno Lauener an jeder zweiten Ecke: Sein Konterfei prangt auf vielen Plakaten und wirbt für die Erhaltung der Tageszeitung «Der Bund». Der Slogan bringt seine Überzeugung auf den Punkt: «Der ‚Bund’ gehört zum Besten, was Züri West zu bieten hat.» Mit Lauener zünde ein glaubwürdiger Berner die zweite Stufe, sagte Grossrat Christoph Stalder, einer der Initianten des Rettungskomitees, vor den Medien. Stalder: «Züri West ist genauso wie der ‚Bund’ eine starke Berner Marke.»
Das Komitee «Rettet den Bund» zählt inzwischen über 13'000 Mitglieder. Es soll laut den Promotoren weiter wachsen. Parallel wird nun im Mai eine weitere Trägerschaft ins Leben gerufen. Das entspreche den Anregungen vieler Mitglieder, erklärte Andreas Lüthi vom Unterstützungskomitee. «Der Verein Berner Medienvielfalt soll schnell zu einer zweiten soliden Basis werden, die gegen das drohende Pressemonopol im Grossraum Bern kämpft.» Man habe bewusst die Rechtsform eines Vereins gewählt, damit die Hürde für den Beitritt möglichst tief sei, so Lüthi weiter. Sofern eine grosse Dynamik entstünde und sich viele Mitglieder auch finanziell engagieren würden, wäre die Gründung einer Stiftung die logische Weiterentwicklung. Diese Stiftung könnte die Trägerschaft für den «Bund» oder ein Nachfolgemedium sein.
Auf der Website
www.rettet-den-bund.ch ist ab sofort eine Umfrage aufgeschaltet. So will das Komitee eruieren, was die Medienkonsumenten in Zukunft wünschen. «Aus meiner Sicht werden die Bedürfnisse der Abonnenten zu wenig ernst genommen, wir tun es mit dieser Umfrage», führte Mark Balsiger, Koordinator des Komitees, aus.
Medienmitteilung vom Mittwoch, 25. März 2009, versendet von Mark Balsiger. Morgen Samstag, von 8 bis 16 Uhr, sammeln «Bund»-Redaktorinnen und -Redaktoren am Berner Märit Unterschriften für das Komitee
«Rettet den 'Bund'». Beim Stand beim Käfigturm gibt es Unterschriftsbögen, Zeitungen, «Bund»-Kugelschreiber sowie zwei Laptops, auf denen Sie Ihre Begründung, warum der «Bund» gerettet werden muss, verewigen können.

Am ehrwürdigen «Bund»-Turm an der Effingerstrasse hängt ein Transparent, das auf das Komitee
«Rettet den 'Bund'» aufmerksam macht:
Weiterhin sammelt das Komitee Unterschriften für die Erhaltung des «Bund».

Barbara Lüthi, die China-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens (SF), ist Journalistin des Jahres 2008.
Den zweiten Platz bei der Publikumswahl belegte «Bund»-Redaktor Hansueli Schöchli vor dem Reporterteam der «SonntagsZeitung», das den Fall Nef aufdeckte. Dem SoZ-Reporterteam gehörten Karl Wild, Cathrine Boss und Martin Stoll an, wie die Herausgeber der Fachzeitschrift
«Schweizer Journalist» am Freitag bekanntgaben.
Chefredaktor des Jahres ist wie bereits im Vorjahr Patrik Müller vom «Sonntag». Das Schweizer Fernsehen ist die «Redaktion des Jahres».
In der Westschweiz heisst die «Journalistin des Jahres» Myret Zaki von «Le Temps». Im Tessin erhielt die RSI-Wirtschaftsredaktion (Luca Fasani/Simona Soldini/Alessandra Felicioni) diese Auszeichnung.
Insgesamt wählten 927 Personen über das Internet die Journalistinnen und Journalisten des Jahres. Eine hochkarätige Jury zeichnete darüber hinaus Journalistinnen und Journalisten in einzelnen Kategorien aus. (sda)