Journalistenrudel auf Hetzjagd
| Von Artur Vogel um 19:32 | [ Medienwelt ] |
Die Vorwürfe sind happig. Der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof spricht vom «Rudeljournalismus, der massiv zugenommen hat». Der abtretende Bundesratssprecher Oswald Sigg wirft der Presse in einem Interview mit dem «Sonntag» sogar vor, «das Publikum aufgehetzt» zu haben. Noch nie habe er, sagt Sigg, «Vergleichbares erlebt».
Journalisten, welche die zwei Auftritte von Samuel Schmid am Mittwoch mitverfolgten, mussten sich tatsächlich selbstkritisch fragen, ob da nicht einer von den Medien systematisch gehetzt worden sei. In dem offensichtlich gesundheitlich und psychisch diffizilen Zustand, in dem sich Bundesrat Schmid an jenem Tag befand, möchte niemand vor die Öffentlichkeit treten müssen, und schon gar nicht, um seine Demission bekanntzugeben.
Dass das Schweizer Fernsehen ausgerechnet SVP-Chef Toni Brunner den Rücktritt kommentieren liess, «einen der Hauptverantwortlichen für die Hatz auf diesen Bundesrat», fand Sigg «nur noch widerlich», und damit hat er Recht.
Aber hat dieser «Rudeljournalismus» tatsächlich stattgefunden? Sigg bezieht sich auf eine Studie aus Imhofs Institut, die er allerdings nicht gesehen hat, wie Imhof auf Anfrage versichert. Diese Studie fördere «eine Monopolmeinung in allen Medien» zutage, behauptet Sigg: «Nicht einmal Nuancen oder Facetten gab es.»
Die Studie, datiert vom 13. November 2008, liegt auf meinem Pult und geht mit uns Journalisten hart ins Gericht. Für alle Medien («alle» unterstrichen) seit spätestens Ende Juli bis Ende September gelte, dass Schmid als «einsam», «mit dem Rücken zur Wand», «unter Dauerbeschuss» beschrieben werde, und dass man «das Bild eines passiven oder handlungsunfähigen Bundesrates» zeichne.
Doch die Studie relativiert solche absoluten Aussagen gleich selbst:
Erstens waren von 927 untersuchten Artikeln über Samuel Schmid von Juli bis September weniger als die Hälfte, nämlich 409, negativ; 211 waren kontrovers, 202 neutral und 105 positiv.
Zweitens gab es, anders, als Sigg behauptet, durchaus «Nuancen und Facetten»: «Blick gibt v.a. den Kritikern Schmids Raum, nimmt zwischenzeitlich Schmid in Schutz (Schmid versus SVP, die ihn ’erpresse’), aber zeichnet das Bild eines stark angeschlagenen Bundesrates; NZZ und NZZ am Sonntag zurückhaltender und schwankend.»
Und drittens haben die Zürcher Forscher nicht alle Schweizer Medien erfasst, sondern nur die Zürcher: Tages- und Sonntagszeitungen, Tagesschau und 10vor10 im Schweizer Fernsehen.
Selbstanalyse ist also gefragt: Haben wir zur «Hetzjagd» beigetragen? Die Antwort: Der «Bund» hat nie den Rücktritt Schmids gefordert. Aber er hat ihn mehrmals als unausweichlich dargestellt.
Schon am 21. Juli hiess es in einem Kommentar: «Aus den diversen Enthüllungen der letzten Wochen sowie aus Nefs und Schmids ungeschickten, kontraproduktiven Äusserungen kristallisieren sich Details heraus, die es unwahrscheinlich machen, dass der Armeechef seinen Posten noch retten kann. Ob der Verteidigungsminister die Prüfung auszusitzen vermag, ist ebenfalls offen.»
Es träfe allenfalls die Kritik aus dem Imhof-Institut zu, wonach die Medien nicht darüber reflektiert hätten, «dass das Deutungsmuster der Handlungsunfähigkeit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung darstellt». Oder auf Deutsch: Man kann jemanden so lange kaputtschreiben, bis er wirklich kaputt ist.
Was unberücksichtigt bleibt, ist die Frage, ob denn Schmid zu Recht kritisiert worden ist oder nicht: für die Affäre Nef, für das zeitweilige Scheitern des Rüstungsprogramms, für die Sinnkrise, in der die Armee offensichtlich steckt, für klare Führungsmängel, über die im VBS und in der Armee geredet wird.
Die überraschendste Antwort stammt von Oswald Sigg: «Dass die Medien Schmids Amtsführung kritisieren, ist selbst dann legitim, wenn an dieser Kritik nicht einmal alles stimmt.» Man darf jemanden also laut Sigg so scharf attackieren, wie man will, nur die Folgerung daraus, dass er demissionieren müsse, sei «geradezu unjournalistisch».
Nein, unjournalistisch ist das nicht, nur unschweizerisch. Denn in diesem Land gibt es keine Rücktrittskultur. In Frankreich oder Grossbritannien hätte ein Verteidigungsminister sein Amt in einer Affäre wie jener um die Ernennung von Armeechef Nef ohne Wenn und Aber zur Verfügung stellen müssen. Samuel Schmid wären, hätte er diesen Schritt rechtzeitig unternommen, einige der bittersten Monate, die er zweifellos je erlebt hat, erspart geblieben. Und uns das Stigma des «Rudeljournalismus».
Journalisten, welche die zwei Auftritte von Samuel Schmid am Mittwoch mitverfolgten, mussten sich tatsächlich selbstkritisch fragen, ob da nicht einer von den Medien systematisch gehetzt worden sei. In dem offensichtlich gesundheitlich und psychisch diffizilen Zustand, in dem sich Bundesrat Schmid an jenem Tag befand, möchte niemand vor die Öffentlichkeit treten müssen, und schon gar nicht, um seine Demission bekanntzugeben.
Dass das Schweizer Fernsehen ausgerechnet SVP-Chef Toni Brunner den Rücktritt kommentieren liess, «einen der Hauptverantwortlichen für die Hatz auf diesen Bundesrat», fand Sigg «nur noch widerlich», und damit hat er Recht.
Aber hat dieser «Rudeljournalismus» tatsächlich stattgefunden? Sigg bezieht sich auf eine Studie aus Imhofs Institut, die er allerdings nicht gesehen hat, wie Imhof auf Anfrage versichert. Diese Studie fördere «eine Monopolmeinung in allen Medien» zutage, behauptet Sigg: «Nicht einmal Nuancen oder Facetten gab es.»
Die Studie, datiert vom 13. November 2008, liegt auf meinem Pult und geht mit uns Journalisten hart ins Gericht. Für alle Medien («alle» unterstrichen) seit spätestens Ende Juli bis Ende September gelte, dass Schmid als «einsam», «mit dem Rücken zur Wand», «unter Dauerbeschuss» beschrieben werde, und dass man «das Bild eines passiven oder handlungsunfähigen Bundesrates» zeichne.
Doch die Studie relativiert solche absoluten Aussagen gleich selbst:
Erstens waren von 927 untersuchten Artikeln über Samuel Schmid von Juli bis September weniger als die Hälfte, nämlich 409, negativ; 211 waren kontrovers, 202 neutral und 105 positiv.
Zweitens gab es, anders, als Sigg behauptet, durchaus «Nuancen und Facetten»: «Blick gibt v.a. den Kritikern Schmids Raum, nimmt zwischenzeitlich Schmid in Schutz (Schmid versus SVP, die ihn ’erpresse’), aber zeichnet das Bild eines stark angeschlagenen Bundesrates; NZZ und NZZ am Sonntag zurückhaltender und schwankend.»
Und drittens haben die Zürcher Forscher nicht alle Schweizer Medien erfasst, sondern nur die Zürcher: Tages- und Sonntagszeitungen, Tagesschau und 10vor10 im Schweizer Fernsehen.
Selbstanalyse ist also gefragt: Haben wir zur «Hetzjagd» beigetragen? Die Antwort: Der «Bund» hat nie den Rücktritt Schmids gefordert. Aber er hat ihn mehrmals als unausweichlich dargestellt.
Schon am 21. Juli hiess es in einem Kommentar: «Aus den diversen Enthüllungen der letzten Wochen sowie aus Nefs und Schmids ungeschickten, kontraproduktiven Äusserungen kristallisieren sich Details heraus, die es unwahrscheinlich machen, dass der Armeechef seinen Posten noch retten kann. Ob der Verteidigungsminister die Prüfung auszusitzen vermag, ist ebenfalls offen.»
Es träfe allenfalls die Kritik aus dem Imhof-Institut zu, wonach die Medien nicht darüber reflektiert hätten, «dass das Deutungsmuster der Handlungsunfähigkeit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung darstellt». Oder auf Deutsch: Man kann jemanden so lange kaputtschreiben, bis er wirklich kaputt ist.
Was unberücksichtigt bleibt, ist die Frage, ob denn Schmid zu Recht kritisiert worden ist oder nicht: für die Affäre Nef, für das zeitweilige Scheitern des Rüstungsprogramms, für die Sinnkrise, in der die Armee offensichtlich steckt, für klare Führungsmängel, über die im VBS und in der Armee geredet wird.
Die überraschendste Antwort stammt von Oswald Sigg: «Dass die Medien Schmids Amtsführung kritisieren, ist selbst dann legitim, wenn an dieser Kritik nicht einmal alles stimmt.» Man darf jemanden also laut Sigg so scharf attackieren, wie man will, nur die Folgerung daraus, dass er demissionieren müsse, sei «geradezu unjournalistisch».
Nein, unjournalistisch ist das nicht, nur unschweizerisch. Denn in diesem Land gibt es keine Rücktrittskultur. In Frankreich oder Grossbritannien hätte ein Verteidigungsminister sein Amt in einer Affäre wie jener um die Ernennung von Armeechef Nef ohne Wenn und Aber zur Verfügung stellen müssen. Samuel Schmid wären, hätte er diesen Schritt rechtzeitig unternommen, einige der bittersten Monate, die er zweifellos je erlebt hat, erspart geblieben. Und uns das Stigma des «Rudeljournalismus».
Kommentare
Herr Weber
2008-11-18 08:15:56
...wenn dem so ist, so fordere ich adäquat den Rücktritt von Ihnen, Herr Vogel. Lahm, langweilig und dem "Bund" nicht gewachsen, sollten Sie abtreten. Sofort. Das scheint ja gemäss Ihnen eine akzeptable Forderung zu sein heute. Egal, ob man von der Sache was versteht oder nicht.
2008-11-18 08:15:56
...wenn dem so ist, so fordere ich adäquat den Rücktritt von Ihnen, Herr Vogel. Lahm, langweilig und dem "Bund" nicht gewachsen, sollten Sie abtreten. Sofort. Das scheint ja gemäss Ihnen eine akzeptable Forderung zu sein heute. Egal, ob man von der Sache was versteht oder nicht.
Danish Dynamite
2008-11-18 09:36:50
Ich finde Ihren Kommentar gut, Herr Vogel.
Herr Weber, irgendwie erinnern Sie mich an jemanden. Synonym gewechselt?
2008-11-18 09:36:50
Ich finde Ihren Kommentar gut, Herr Vogel.
Herr Weber, irgendwie erinnern Sie mich an jemanden. Synonym gewechselt?
h2p
2008-11-18 10:34:34
Merci für den schönen Artikel Herr Vogel!
"Change" findet seit ein paar Jährchen auch in der Schweiz statt, die politische Auseinandersetzung ist härter aber auch offener und ehrlicher geworden. Das Gejammer über den Rücktritt eines Ministers, der sich ganz klar Fehler geleistet hat und über eine nur noch zweifelhafte demokratische Legitimation verfügt, ist Symptom für die "alte" Schweiz, wo man sich möglichst in Ruhe lässt, ales schönredet und nur ja nicht öppen einen Konflikt offen austrägt. Lieber alles zukleistern mit geheuchelter Harmonie, bis man selber daran glaubt. Nur in so einem Klima kann auch eine Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf die gute Presse bekommen, die ihr jeden Tag (zu Unrecht) zuteil wird.
2008-11-18 10:34:34
Merci für den schönen Artikel Herr Vogel!
"Change" findet seit ein paar Jährchen auch in der Schweiz statt, die politische Auseinandersetzung ist härter aber auch offener und ehrlicher geworden. Das Gejammer über den Rücktritt eines Ministers, der sich ganz klar Fehler geleistet hat und über eine nur noch zweifelhafte demokratische Legitimation verfügt, ist Symptom für die "alte" Schweiz, wo man sich möglichst in Ruhe lässt, ales schönredet und nur ja nicht öppen einen Konflikt offen austrägt. Lieber alles zukleistern mit geheuchelter Harmonie, bis man selber daran glaubt. Nur in so einem Klima kann auch eine Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf die gute Presse bekommen, die ihr jeden Tag (zu Unrecht) zuteil wird.
Wortklauber
2008-11-18 13:38:00
So, so, der "Bund" hat also nie den Rücktritt Schmids gefordert, sondern ihn nur als unausweichlich dargestellt, wenn auch mehrmals, wie Sie schreiben, Herr Vogel. Darf ich Ihrem Gedächtnis etwas nachhelfen? Ausgabe vom Donnerstag, 25. September 2008, Seite 7, Zwischentitel "Wann geht Schmid?" (auszugsweises Zitat): "... Schmid könnte sich dieser ungemütlichen Situation wie folgt entziehen: Er gibt vor der Publikation des GPK-Berichts seinen Rücktritt per nächsten März bekannt. ... Vielleicht sucht Schmid den schnellen Abgang noch vor der Dezembersession - so könnte er seinen Rücktritt als Beitrag zur Entspannung der Rüstungsdiskussion verkaufen. ..." Aber zugegeben, laut nachdenken ist erlaubt, und sicher wollte der „Bund“ auch nur helfen, Wege aus der schwierigen Situation aufzuzeigen.
2008-11-18 13:38:00
So, so, der "Bund" hat also nie den Rücktritt Schmids gefordert, sondern ihn nur als unausweichlich dargestellt, wenn auch mehrmals, wie Sie schreiben, Herr Vogel. Darf ich Ihrem Gedächtnis etwas nachhelfen? Ausgabe vom Donnerstag, 25. September 2008, Seite 7, Zwischentitel "Wann geht Schmid?" (auszugsweises Zitat): "... Schmid könnte sich dieser ungemütlichen Situation wie folgt entziehen: Er gibt vor der Publikation des GPK-Berichts seinen Rücktritt per nächsten März bekannt. ... Vielleicht sucht Schmid den schnellen Abgang noch vor der Dezembersession - so könnte er seinen Rücktritt als Beitrag zur Entspannung der Rüstungsdiskussion verkaufen. ..." Aber zugegeben, laut nachdenken ist erlaubt, und sicher wollte der „Bund“ auch nur helfen, Wege aus der schwierigen Situation aufzuzeigen.
artur.vogel
2008-11-18 14:26:04
@Wortklauber. Danke für den Nachhilfeunterricht, der allerdings unnötig ist: Sie dürfen sicher sein, dass ich die "Bund"-Kommentare gelesen habe, bevor ich die zutreffende Feststellung machte, wir hätten den Rücktritt Schmids nie gefordert. Dass wir uns Gedanken darüber gemacht haben, ist hingegen selbstverständlich; alles andere wäre schlechter Journalismus.
2008-11-18 14:26:04
@Wortklauber. Danke für den Nachhilfeunterricht, der allerdings unnötig ist: Sie dürfen sicher sein, dass ich die "Bund"-Kommentare gelesen habe, bevor ich die zutreffende Feststellung machte, wir hätten den Rücktritt Schmids nie gefordert. Dass wir uns Gedanken darüber gemacht haben, ist hingegen selbstverständlich; alles andere wäre schlechter Journalismus.
Drummer
2008-11-18 15:25:53
Und das ist dann also guter Journalismus. Gut zu wissen.
2008-11-18 15:25:53
Und das ist dann also guter Journalismus. Gut zu wissen.
h2p
2008-11-19 12:19:44
Die Rücktrittsforderung stand tatsächlich etwas schnell im medialen Raum...andere Bundesräte werden da viel schonender behandelt (Calmy-Rey). Der Bund war aber sicher nicht die Speerspitze der Rücktrittsforderer.
Leider macht er aber solche Kampagnen ab sofort automatisch mit, auf diesem Newsnetz hier. Er hat keine Kontrolle mehr über die Cotents auf der eigenen Website, die werden in Zürich fabriziert.
Schade.
2008-11-19 12:19:44
Die Rücktrittsforderung stand tatsächlich etwas schnell im medialen Raum...andere Bundesräte werden da viel schonender behandelt (Calmy-Rey). Der Bund war aber sicher nicht die Speerspitze der Rücktrittsforderer.
Leider macht er aber solche Kampagnen ab sofort automatisch mit, auf diesem Newsnetz hier. Er hat keine Kontrolle mehr über die Cotents auf der eigenen Website, die werden in Zürich fabriziert.
Schade.
Hans Balsiger
-
hans.balsiger [at] space.unibe.ch
2008-11-20 14:19:56
Der Vorteil, Herr Vogel, den Ihr Journalisten habt, ist dass Ihr immer das letzte Wort habt. Ihr bildet Euch etwas ein darauf, dass Ihr, wie im Ausland, mit härteren Bandagen kämpft. Wir sind aber nicht im Ausland, unsere Minister sind Leute aus dem Volk, sie dürfen Fehler machen, denn unser System verträgt das... Nur weil in den USA zwei Journalisten (zu Recht) Nixon zu Fall gebracht haben, müsst Ihr nicht unbedingt denen nacheifern. Denn Ihr seid nicht so gut, wie diese waren, Ihr seid auch nur Schweizer, wie unsere Minister. Also, ein bisschen mehr Kritik vertragen und wirklich in Euch gehen, wenn man Euch den Spiegel vorhält!
Hans Balsiger, Spiegel (trotz allem immer noch Bund Abonnent)
2008-11-20 14:19:56
Der Vorteil, Herr Vogel, den Ihr Journalisten habt, ist dass Ihr immer das letzte Wort habt. Ihr bildet Euch etwas ein darauf, dass Ihr, wie im Ausland, mit härteren Bandagen kämpft. Wir sind aber nicht im Ausland, unsere Minister sind Leute aus dem Volk, sie dürfen Fehler machen, denn unser System verträgt das... Nur weil in den USA zwei Journalisten (zu Recht) Nixon zu Fall gebracht haben, müsst Ihr nicht unbedingt denen nacheifern. Denn Ihr seid nicht so gut, wie diese waren, Ihr seid auch nur Schweizer, wie unsere Minister. Also, ein bisschen mehr Kritik vertragen und wirklich in Euch gehen, wenn man Euch den Spiegel vorhält!
Hans Balsiger, Spiegel (trotz allem immer noch Bund Abonnent)
h2p
2008-11-20 18:40:31
unsere Minister sind Leute aus dem Volk, sie dürfen Fehler machen, denn unser System verträgt das
WIE BITTE?
wenn sie einen nebenamtlichen Landgemeindepräsi meinen, haben sie vielleicht ein wenig recht. Aber einem BR, der 150'00 im Jahr kassiert und mind. in Krisensituationen das Land und seine Institutionen regieren muss, darf man keine Fehler durchgehen lassen à la "er ist halt auch nur einer von uns". Und wenn, dann will ich wenigstens selber wählen, wer "von uns" Bundesrat wird!
2008-11-20 18:40:31
unsere Minister sind Leute aus dem Volk, sie dürfen Fehler machen, denn unser System verträgt das
WIE BITTE?
wenn sie einen nebenamtlichen Landgemeindepräsi meinen, haben sie vielleicht ein wenig recht. Aber einem BR, der 150'00 im Jahr kassiert und mind. in Krisensituationen das Land und seine Institutionen regieren muss, darf man keine Fehler durchgehen lassen à la "er ist halt auch nur einer von uns". Und wenn, dann will ich wenigstens selber wählen, wer "von uns" Bundesrat wird!
Je
2008-11-23 12:44:06
Sie verwechseln etwas, Herr h2p: Genau der nebenamtliche Präsi darf eben keine Fehler machen, denn er ist in der Regel nicht mit einem Heer von Mitarbeitern ausgerüstet, die alles für ihn vorbereiten und entscheiden...
Ihr Nachsatz ist unsinnig: was ist besser an den Fehlern von Leuten, die Sie selbst gewählt haben?
Ich bin ehrlich und sage: wenn, dann möchte ich wenigstens selbst Diktator sein.
2008-11-23 12:44:06
Sie verwechseln etwas, Herr h2p: Genau der nebenamtliche Präsi darf eben keine Fehler machen, denn er ist in der Regel nicht mit einem Heer von Mitarbeitern ausgerüstet, die alles für ihn vorbereiten und entscheiden...
Ihr Nachsatz ist unsinnig: was ist besser an den Fehlern von Leuten, die Sie selbst gewählt haben?
Ich bin ehrlich und sage: wenn, dann möchte ich wenigstens selbst Diktator sein.
h2p
2008-11-23 20:09:51
Komische Logik, Je.
Der Fall liegt ähnlich wie bei Elisabeth Kopp: es wurde in der Medienöffentlichkeit so lange Druck ausgeübt, bis nicht der Anlass der Affäre selbst sondern ein Versagen des eigenen Kommunikationsmanagements zum Absturz führte.
Der Untersuchungsbericht zur Affäre Nef steht noch aus. Im Falle Kopp fiel die Strafwürdigkeit des Verhaltens nachträglich weg, das zur "Hatz" geführt hatte.
Aber ihre unglückliche Kommunikation und der dadurch entstandene Vertrauensverlust waren Grund genug für einen Rücktritt. Fanden damals jedenfalls so liebe, linke und nette Leute wie Moritz Leuenberger, der als palamentarischer Ermittler in der Affäre Kopp politisch gross rauskam.
So schliesst sich der Kreis.
2008-11-23 20:09:51
Komische Logik, Je.
Der Fall liegt ähnlich wie bei Elisabeth Kopp: es wurde in der Medienöffentlichkeit so lange Druck ausgeübt, bis nicht der Anlass der Affäre selbst sondern ein Versagen des eigenen Kommunikationsmanagements zum Absturz führte.
Der Untersuchungsbericht zur Affäre Nef steht noch aus. Im Falle Kopp fiel die Strafwürdigkeit des Verhaltens nachträglich weg, das zur "Hatz" geführt hatte.
Aber ihre unglückliche Kommunikation und der dadurch entstandene Vertrauensverlust waren Grund genug für einen Rücktritt. Fanden damals jedenfalls so liebe, linke und nette Leute wie Moritz Leuenberger, der als palamentarischer Ermittler in der Affäre Kopp politisch gross rauskam.
So schliesst sich der Kreis.
eisvogel
-
paschmak [at] mac.com
2008-11-24 00:36:21
Sehr geehrter Herr Vogel
Ihre Reaktion auf Imhofs Studie enttäuscht mich. Was ist aus dem A.K.V. von 1994 geworden? - Das Beste, das ich zum Konflikt im Nahen Osten gelesen habe, entstammt Ihrer Feder. Zur Erinnerung Ihre eigenen Worte: "Die Textverarbeitung macht die Verfertigung von 'Schund' noch einfacher, die Versuchung noch grösser". - Heute geben Spar- und Zeitdruck noch einen obendrauf, ich weiss.
Dieser Rudeljournalismus ist nicht nur unschweizerisch, sondern auch unjournalistisch - und zudem unmenschlich.
Sie rechtfertigen, wo es nichts zu rechtfertigen gibt, sondern nur zu reflektieren. Nicht anders als dieser umtriebige Tagi-Journi Schuler. Und Rechtfertigungen führen immer zu seltsamen Schlenkern: "Samuel Schmid wären, hätte er diesen Schritt rechtzeitig unternommen, einige der bittersten Monate, die er zweifellos je erlebt hat, erspart geblieben. Und uns das Stigma des «Rudeljournalismus»"? Nein, umgekehrt: Hätte es diesen Ruldejournalismus nicht gegeben, wäre uns diese Posse erspart geblieben. Schmid war ein guter Bundesrat, ein sehr schweizerischer, aber ein guter. Punkt. Was ungut war, war die Medienhetze.
Das Stigma Rudeljournalisten hat jetzt auch der Bund. Er kann sich weiter rechtfertigen, was heisst, in der gleichen Manier trotzig weiter machen.
Sie gehören zu den wenigen wirklich guten Journalisten in der Schweiz. Nehmen Sie die Kritik von Imhof ernst. Es ist eine Hand, die Ihnen gereicht wird, nicht eine Ohrfeige. - Wir sind auf die wenigen Medienschaffenden angewiesen, die Wert auf solides journalistisches Handwerk legen, damit wir nicht auf Ewig in der Welt Ihres rundköpfigen Professors für römisch-katholische Religionslehre leben müssen.
2008-11-24 00:36:21
Sehr geehrter Herr Vogel
Ihre Reaktion auf Imhofs Studie enttäuscht mich. Was ist aus dem A.K.V. von 1994 geworden? - Das Beste, das ich zum Konflikt im Nahen Osten gelesen habe, entstammt Ihrer Feder. Zur Erinnerung Ihre eigenen Worte: "Die Textverarbeitung macht die Verfertigung von 'Schund' noch einfacher, die Versuchung noch grösser". - Heute geben Spar- und Zeitdruck noch einen obendrauf, ich weiss.
Dieser Rudeljournalismus ist nicht nur unschweizerisch, sondern auch unjournalistisch - und zudem unmenschlich.
Sie rechtfertigen, wo es nichts zu rechtfertigen gibt, sondern nur zu reflektieren. Nicht anders als dieser umtriebige Tagi-Journi Schuler. Und Rechtfertigungen führen immer zu seltsamen Schlenkern: "Samuel Schmid wären, hätte er diesen Schritt rechtzeitig unternommen, einige der bittersten Monate, die er zweifellos je erlebt hat, erspart geblieben. Und uns das Stigma des «Rudeljournalismus»"? Nein, umgekehrt: Hätte es diesen Ruldejournalismus nicht gegeben, wäre uns diese Posse erspart geblieben. Schmid war ein guter Bundesrat, ein sehr schweizerischer, aber ein guter. Punkt. Was ungut war, war die Medienhetze.
Das Stigma Rudeljournalisten hat jetzt auch der Bund. Er kann sich weiter rechtfertigen, was heisst, in der gleichen Manier trotzig weiter machen.
Sie gehören zu den wenigen wirklich guten Journalisten in der Schweiz. Nehmen Sie die Kritik von Imhof ernst. Es ist eine Hand, die Ihnen gereicht wird, nicht eine Ohrfeige. - Wir sind auf die wenigen Medienschaffenden angewiesen, die Wert auf solides journalistisches Handwerk legen, damit wir nicht auf Ewig in der Welt Ihres rundköpfigen Professors für römisch-katholische Religionslehre leben müssen.
Je
2008-11-24 10:40:18
Komische Logik
Schön, dass auch ich zur allgemeinen Erheiterung beitragen durfte.
Ernsthafter zum Eisvogel: Mir ist in letzter Zeit auch ab und zu durch den Kopf geschossen, dass zu viele Journalisten sich wohl nur deshalb in einer Art Elfenbeinturm aufzuhalten pflegen, weil man von dort aus offenbar ungestraft erst auf den Mann spielen und dann nachschlagen kann, wenn er sich noch rührt. Am Schluss beklagt man sich unter einander über etwaige negative Reaktionen.
Für uns unbeteiligte Gaffer bleibt die Faszination der unberechenbaren Auswirkungen der Wellen, die mit journalistischer Schaumschlägerei erzeugt werden und die Gewissheit, dass wohl die Wassermenge meist etwas unterschätzt wird. Jedenfalls verebbt der Wellengang in aller Regel ziemlich rasch.
Eigentlich schade, dass nicht mehr zurückschwappt, das wäre auch noch interessant zum Beobachten.
2008-11-24 10:40:18
Komische Logik
Schön, dass auch ich zur allgemeinen Erheiterung beitragen durfte.
Ernsthafter zum Eisvogel: Mir ist in letzter Zeit auch ab und zu durch den Kopf geschossen, dass zu viele Journalisten sich wohl nur deshalb in einer Art Elfenbeinturm aufzuhalten pflegen, weil man von dort aus offenbar ungestraft erst auf den Mann spielen und dann nachschlagen kann, wenn er sich noch rührt. Am Schluss beklagt man sich unter einander über etwaige negative Reaktionen.
Für uns unbeteiligte Gaffer bleibt die Faszination der unberechenbaren Auswirkungen der Wellen, die mit journalistischer Schaumschlägerei erzeugt werden und die Gewissheit, dass wohl die Wassermenge meist etwas unterschätzt wird. Jedenfalls verebbt der Wellengang in aller Regel ziemlich rasch.
Eigentlich schade, dass nicht mehr zurückschwappt, das wäre auch noch interessant zum Beobachten.
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